Was zählt (m)ein Wort?

Glaubenssache

Diakonin Birgit Hornig. Foto: Wolfgang Hornig
Diakonin Birgit Hornig. Foto: Wolfgang Hornig

Heute war ihre Theateraufführung. Lange hatten sie geprobt, Pia war so froh, dass sie die Hauptrolle bekommen hatte. Sie wusste, es wird gut. Und noch besser: ihr Vater hatte versprochen, dass er zur Vorstellung kommen würde. Ihr Vater, den sie viel zu selten sah, seit er ausgezogen war. Jetzt endlich! Bisher war immer etwas dazwischen gekommen, aber heute würde er da sein. Das hatte er hoch und heilig versprochen!

Aufregung, letzte Absprachen hinter der Bühne, die Glocke schellte, Vorhang auf und los!

Eine Stunde später saß Pia in der Umkleide. Sprachlos. Und sie könnte schreien. Ihr Vater war nicht gekommen. Wieder nicht. Was war denn diesmal so viel wichtiger als sein Kind?! Er hatte ihr doch sein Wort gegeben …

Was zählt ein menschliches Wort? Was ist ein Versprechen wert? Wie können Kinder und junge Menschen ein vertrauensvolles Miteinander lernen, wenn sie sich nicht auf Zusagen verlassen können?

Gott hält Wort. Das feiern wir jedes Jahr Weihnachten: Gottes Versprechen bekommt im wahrsten Sinne Hand und Fuß; als Jesus kommt es auf die Welt. Gott redet nicht nur, er handelt. So funktioniert letztlich jede Gesellschaft: Aussagen werden erst dann glaubwürdig, wenn ihnen Taten folgen. Das bedeutet, dass ich klar sage, was ich kann und will, und was nicht. Und dass ich ein Versprechen dann gebe, wenn ich weiß, dass ich es einhalten kann.

In einer Umgebung, in der Menschen aufeinander zählen können, in der echtes Vertrauen wachsen kann, da bin ich gerne Mensch. Und ich will meinen Teil dazu beitragen, dass es gelingt. Versprochen!

Birgit Hornig
Diakonin der Ev.-luth. Kirchengemeinde Ilten

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils sonnabends im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen schreiben Beiträge aus ihren Kirchengemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie gerade beschäftigt.

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